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Hervorgehoben

100 Jahre Dada
Performance des historischen Dada Lautgedichtes “Wolken” von Hugo Ball

Bis 5.11.-4.12.2015 Stipendium des Prager Literaturhauses
Blog auf Prag Akutell

Aktuelle Artikel/Interviews:

Interview auf “Stage Poets”, 22.3.16
“La repetición es el nuevo principio creativo” (Gonzalo Millán) / “I see repetition as a basic creative method” (Dirk Huelstrunk
) – Essay von Felipe Cussen von der Universität Santiago de Chile über das Prinzip der “Wiederholung” bei Gonzalo Milan und bei mir, im Kontext der internationalen Avantgarde in: Trans – Revue de Litterature 19/2015
Struktur oder Chaos. Ein Gespräch über das Sound Poetry Tanz Projekt “A pille of frames” für Lettretagebiuch, Berlin, Feb. 2015:
“When repetition stops you are dead”, Interview (engl) über Wiederholung, Loops und Soundpoetry mit Martyn Schmidt in:, Atemwerft Blog, Feb 2014
“Kunst ist Kommunikation”, Magazin der Kunsthalle Schirn, Frankfurt, April 2013

 

Büro für überflüssige Worte – Stadtbücherei Frankfurt-Höchst 2

Die halbe Nacht Ersatzwörter gesucht, geschrieben und gestempelt. Die meisten Besucher heute im besten Pubertätsalter oder auch mal darunter. Dazwischen vereinzelt gestresste Lehrer oder verwirrte Sprachschüler. Für die Kids ist das ein lustiges Spiel. „Voll cool ey“. Allerdings wurden “voll” und “ey” schon entsorgt. “Voll” sehe ich auch schon auf der Abschussliste. Man könnte also den ganzen Satz streichen.

Lehrer nehmen die Sprache berufsbedingt ernster und möchten vor allem bildungsbürokratische Sprachmonster loswerden, die offenbar auf der Seele lasten.  Beide scheinen in völlig unterschiedlichen Sprach-Universen zu leben. Einerseits: “Niveaukonkretisierung” und “Bildungskompetenz”, “Zeitfenster”, “Binnendifferenzierung” und “Schülermaterial”, andererseits: „Digga“, „chill ma“, „Opfer“, „Hurensohn“. Aber auch „Herzchen“ und „Schatzi“, „Zahnspangen“ und „Köter“ werden entsorgt.

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Dazu interessante Sprachschöpfungen wie „moi chocken“. Klingt wie eine Abart von „Mal checken“. Vielleicht aber auch eine vom Werbefernsehen inspirierte Ableitung der Marke „Moi chocolat“.

Mehrfach wird „Awalee“ abgegeben. Die Mädels, die das Wort loswerden wollen, behaupten, es sei ein erfundenes Wort, das anstelle eines Schimpfwortes gebraucht wird. Beim online check finde ich eine französische „Awalee-Consulting“ Firma, ein Video der Band „Bandoleros“, die trotz des spanischen Namen ziemlich orientalisch klingen.  Ein Online Lexikon verortet den Begriff im „Urdu“ und übersetzt ihn mit „Vorbereitung“. Eine Islaminfoseite weist auf die Herkunft im Koran hin. Hier würde der Begriff „früher“ oder „von früher“ bedeuten. Eine Heavy Metal Band aus Singapur hat ihr letztes Album „Asateerul Awaleen“ genannt und auch gleich die englische Übersetzung „impiety“, also „Pietätlosigkeit“ mitgeliefert.

Ein Lehrer beklagt sich, dass die Deutsche Sprache an Boden verliere. Ich wundere mich trotzdem, dass die entsorgten Begriffe mit wenigen Ausnahmen deutsche Wörter sind. Die gefürchteten Anglizismen tauchen kaum auf. Die Begriffe der aktuellen gesellschaftlichen Debatten (z.B. Thema Flüchtlinge) bleiben ebenfalls aus. Dafür lässt sich ein Besucher – ausgehend von einer Sprachdiskussion – dazu hinreissen, einen ausführlichen Vortrag über die Vorzüge der Engländer und die wirkliche Bedeutung der Queen zu halten.

Büro für überflüssige Worte – Tag 1

23.5.2016 – BiKuZ Frankfurt-Höchst – mehr Infos auf der Facebookseite des Projektes

Schreibtisch, Topfpflanze, Stifte, Stempel sind platziert. Seltsam tropfende Worte mit weichen Konsonanten und vielen Umlauten warten auf ihren Einsatz als Ersatz. Aus dem Rechner verkündet der finnische Computeravatar Mikko mit schwerem Akzent die schönsten „deutschen Worte“.

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Noch bevor das Projekt offiziell eröffnet wird, drängt es schon Manche, überflüssige Worte abzugeben. Pressekonferenz und Büroarbeit läuft simultan. Morgen Artikel in FNP/Höchster Kreisblatt. Der erste Besucher möchte „Herzchen“ aus seinem Wortschatz streichen. Schreckliches Wort meint er. Sein Mentor nennt ihn immer so, wenn er ihn tadelt. Und gleich geht es weiter: „elementar“ muss dran glauben. Das klingt so übertrieben.

Ein Flüchtling auf dem Weg zum Sprachkurs möchte das eben gelernte Wort „Frühstück“ wieder aus seinem Wortschatz streichen. Vielleicht klingt es in seinen Ohren mehr nach Massaker als nach einer Mahlzeit, vielleicht findet er Frühstück an sich überflüssig. Vielleicht hat ihm das Wort zuviel „ü”. Überflüssig ist eine sehr individuelle Angelegenheit. Nur „Digga“ taucht doppelt auf. Doppelt überflüssig halt.

Überflüssige Worte werden persönlich signiert und gestempelt. Wer sie abgegeben hat verspricht, in Zukunft auf sie zu verzichten und das Ersatzwort zu benutzen, dass ich im Austausch abgebe. Es gibt aber auch Menschen, die behaupten, sie bräuchten ALLE Worte. Nicht das mieseste, gemeinste oder übertriebenste Wort wollen sie hergeben.

Die Stunde Pause, die ich mir vorgenommen hatte, ist völlig illusorisch. Ich habe Mühe auch nur 15 Minuten Freiraum zu erkämpfen, um mein Pausenbrot und meine mitgebrachte Banane zu verzehren. Ich bin am Stempeln, Erklären, Diskutieren, suche nach Ersatzworten. Am Ende des ersten Tages sind alle mitgebrachten Wortkarten und Ersatzworte aufgebraucht.

Noch beim Abbauen meines improvisierten Büros erscheint eine extrem gestresste Dame und ist überglücklich, dass ich ihr noch das Wort „chillmamama“ abnehme, mit dem sie ihr Sohn malträtiere….Sie ist so froh, dass ich mich nicht traue zu sagen, dass dieses Wort zwar jetzt aus ihrem Wortschatz entfernt wurde, aber nicht aus dem ihres Sohnes.

Wortumdrehung – U20 Poetry Slam Workshop

6. Mai 2016 10:00bis7. Mai 2016 16:00

07.05.2016 – 08.05.2016, 10:00 – 16:00 Uhr
Hessisches Literaturforum im Mousonturm e.V.

Der Workshop richtet sich sowohl an Anfänger wie an Fortgeschrittene, die ein kritisches Feedback zu ihren Texten brauchen oder ihren Vortragsstil verbessern möchten. Teilnehmen können Jugendliche vom 15-20. Ältere Interessenten können in Einzelfällen teilnehmen, wenn noch Platz ist.

Info auf Kulturnetz Frankfurt

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