Avenidas – ein Gedicht soll weg

Eugen Gomringers Klassiker der Konkreten Poesie „Avenidas y Flores“ wird von der Fassade der Salomon Hochschule in Berlin entfernt. Das hat der Hochschulrat unter dem Druck einer unschönen Netzkampagne nun beschlossen. Alleen, Frauen, Blumen und ein Bewunderer reichen für den Sexismusvorwurf. Ich kann das nicht nachvollziehen, aber gut, man sollte über alles diskutieren können. Auch über Geschlechterklischees in der Avantgardelyrik der 1950er Jahre. Schönes Seminarthema. Unschön aber, dass die Kritik von Anfang an weniger auf eine offene Auseinandersetzung als auf das „Entfernen“ des Gedichtes abzielte. Das ist schlechter Stil.

Zensur ist vielleicht das falsche Wort. Es geht nicht um ein „Verbot“. Die Hochschule hat das Recht, ihre Fassade zu gestalten, wie sie möchte. Dennoch ist die Symbolik der „Säuberung“ nicht zu übersehen. Durch den bösen Begriff des „Sexismus“ sind Gedicht und Autor nun gebrandmarkt.
Harmlos finde ich diese moralische Putzaktion nicht. Diese erfolgreiche Kampagne zur Diffamierung und Zerstörung eines Kunstwerkes wird Nachahmer und Nachfolger auf den Plan rufen.
Ist es so unwahrscheinlich, dass als nächstes jemand auf die Idee kommt, „Avenidas“ aus den Schulbüchern zu tilgen?

Wenn bereits ein so harmloses Gedicht als anstößig empfunden wird, wie leicht wird es dann fallen, „Anstößiges“ in anderen Gedichten und Kunstwerken zu entdecken? Was steht als Nächstes auf der Abschussliste? Bisher galt die Freiheit der Kunst in Deutschland als hohes Gut. Ich bin schon irritiert, wie schnell auch Menschen aus dem Kulturbereich bereit sind, diese Freiheit zu beschränken, wenn es der scheinbar „richtigen“ Sache dient.

Positive Nebenwirkung ist die unverhoffte Bekanntheit des Gedichtes und das Gefühl, dass Gedichte endlich mal wieder provozieren können. Ironisch, dass nicht ein großer Macho-Provokateur sondern ein maximal bescheidener Autor, ein maximal respektvoller und höflicher Text solche Empörung ausgelöst hat.

 

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avenidas y flores
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flores y mujeres
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un admirador
(Eugen Gomringer)

 

Links:
http://www.asta.asfh-berlin.de/de/News/offener-brief-gegen-gedicht-an-der-hochschulfassade.html

https://www.welt.de/kultur/literarischewelt/article172804585/Nora-Gomringer-ueber-das-Entfernen-von-Avenidas.html

Links zu ähnlichen Fällen:
https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/braunschweig_harz_goettingen/Nacktbilder-abgehaengt-Selbstzensur-in-Goettingen,sexismus176.html

https://www.mz-web.de/halle-saale/kritik-an-gemaelde-am-wolff-gymnasium-diskriminiert-das-wandbild-maedchen-und-frauen–28935904

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/schweden-anzeige-wegen-pippi-langstrumpf-hoerspiel-15283524.html

Schwarz-Weiss Garten

Ein Gespräch über Schwarz-Weiss-Denken, schwarze und weisse Gärten, eingerahmt von meinen Soundpoemen „Das Weisse“ und „Schwarzer Block“, die ich für dieses Projekt noch einmal neu aufgenommen habe:

Schwarz-Weiss Garten

25.-27.8.17 zu Gast bei Datscha Radio Berlin. Datscha Radio ist ein Radiokunstprojekt, konzipiert von Gabi Schaffner. Ich durfte einige Sendungen moderieren und meinen „Schwarz-Weiss-Garten“ im Gespräch mit Shanti Suki Osman vorstellen.

Der Schwarz-Weiss Garten

Feldaufnahmen, Gespräche, Gedichte und Soundpoetry. Von weissem Rauschen, schwarzen Blöcken und grauem Wortkraut in den Ritzen.
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Frankfurter Lyriktage II

25. Juni 2017
20:00
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Adam Horovitz

Schlag auf Schlag. Poesie mit Beat, heisst eine weitere Veranstaltung, die ich im Rahmen der Frankfurter Lyriktage kuratieren durfte und moderieren werde. Am So. 25.6., 20 Uhr im Club „Ponyhof“ in Frankfurt-Sachsenhausen.
Drei Lyrik-Musikduos loten unterschiedliche Möglichkeiten aus, Text und Klang zu verbinden.
Adam Horovitz (der Sohn von Michael Horovitz) ist selbst ein anerkannter Lyriker und Journalist mit Affinität zur Spoken Word Szene und elektronischer Musik. Er wird zum ersten Mal gemeinsam mit dem Frankfurter Sampling Artist „Herr Wild“ auftreten und ich liefere die Übersetzungen der Texte.
Jürg Halter gehört zu den eigenwilligsten Schweizer Spoken Word Poeten, lange als Rapper „Kutti MC“ unterwegs bevorzugt er jetzt die leiseren Töne. Für die Lautstärke sorgt aber sicher sein Duopartner, der legendäre Schweizer Schlagzeuger und Klangtüftler Fredy Studer.
Grossraumdichten mit Pauline Füg und Toby Heyel gehören zu den dienstältesten und poetischsten Poetry Slam Teams. Gemeinsam tanzen sie Verse zu den Elektrobeats von Putte, Skeamo und JulClub.
Das alles nur, weil ich letztes Jahr im November Adam Horovitz beim Ars Poetica Festival in Bratislava kennenlernte, er mir von den Wurzeln der Familie in Frankfurt erzählte und von seinem Vater, dem Patron der britischen Beat Poesie. Dank an das Kulturamt Frankfurt, dass sie sich auf dieses Abenteuer eingelassen haben.

 

Frankfurter Lyriktage

24. Juni 2017
20:00bis23:00

Zu den Frankfurter Lyriktagen ist es mir gelungen den legendären britischen Beat- und Jazzpoeten Michael Horovitz mit seiner Jazz-Klezmer Band „William Blake Klezmatrix“ nach Frankfurt zu holen. Am 24.6., 20 Uhr im wunderbaren Saal der Hochschule für Musik. Ich werde den Abend moderieren und ein Einführungsgespräch über Beatpoetry führen. Michael Horovitz ist gebürtiger Frankfurter und Spross einer alten Rabbinerfamilie
Am 25.6., 17 Uhr wird er im Jüdischen Museum (Museum Judengasse) über die Flucht der Familie 1938 und das Leben im Exil sprechen.

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Michael Horovitz & Allen Ginsberg 1965

 

 

 

 

 

 

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Jury „Literaturpreis des Kulturkreis der deutschen Wirtschaft“

Am 16.5. durfte ich als Fachjuror in einer hochkarätig besetzten Jury über den renommierten „Literaturpreis des Kulturkreises der deutschen Wirtschaft“ mitentscheiden. Zum ersten mal wurde der Preis in diesem Jahr genreübergreifend vergeben. Und zum ersten Mal öffnete sich der Preis speziell grenzüberschreitenden Projekten und Spoken Word Poetry. Neben vielen Prosaautoren gelangten vier LyrikerInnen auf der Shortlist, darunter mit Bas Böttcher und Dalibor Marcovic gleich zwei Autoren aus der Poetry Slam/Spoken Word-Szene.
Ich freue mich sehr, dass der Preis an Ulrike Almut Sandig geht, Lyrikerin, Spoken Word Poetin, Performerin. Eine Autorin, die vor allem eine Bühnenperformerin ist und ihre komplexen Texte gerne mit elektronischer Musik verbindet.

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