re: schwitters

Re:Schwitters
Eine klangpoetische Hommage an den Hannoveraner „Merz“-Künstler Kurt Schwitters

Die 1922 – 32 entstandene „Sonate in Urlauten“ des vielseitigen Hannoveraner Künstlers und Autors gilt heute als zeitloses Meisterwerk der klassischen Lautpoesie. Das 30-minütige Langgedicht kommt ganz ohne Worte aus. Buchstaben und Buchstabengruppen werden „gegeneinander gewertet“, wie Schwitters es ausdrückte. Dabei entsteht keine Geräuschkakofonie, sondern ein klar strukturiertes, rhythmisch rasantes Sprech-Werk. Ein Werk, das alle Gattungsgrenzen sprengt, gleichzeitig als Musik, Gedicht, abstrakte Kunst, Klangskulptur oder Performance verstanden werden kann. Ein Werk, das spielerisch leicht und zugleich todernst zwischen Magie und Nonsense oszilliert. Schwitters Lautpoesie als „Unsinnskunst“ zu verstehen, verharmlost. Schwitters zielt auf das Innerste im Menschen – seinen absurden Versuch aus ALLEM Sinn zu generieren. Die Uraufführung der „Ursonate“ war ein Skandal. Den Nationalsozialisten galt Schwitters Werk als „entartet“. Bis heute irritiert und fasziniert die magische Intensität „Ursonate“.

DADA und Kurt Schwitters gehören zu den frühesten und prägendsten Einflüssen auf mein eigenes künstlerisches Schaffen. Die Leichtigkeit, das antielitäre Element, der verschmitzte Humor in Verbindung mit den streng konstruktivistischen Formen haben mich nachhaltig beindruckt. Die „Ursonate“ hat mich seit meiner Jugend beschäftigt. 2011 gelang es mir schließlich, den gesamten Text im Rahmen eines winterlichen Finnland-Stipendiums auswendig zu lernen. Es folgten Aufführungen u.a. in Finnland, Tschechien, Slowakei, Mexiko, Indien, in Museen, bei Literatur und Musikfestivals und in Behindertenwerkstätten. Dabei kam es zu Kollaborationen mit der chilenischen Lautpoetin Pia Sommer und dem tschechischen Autor/Künstler Jaromir Typlt.

Kurt Schwitters ernst nehmen, heißt für mich, mit Kurt Schwitters und seinem Material zu spielen, es zeitgenössisch zu interpretieren und zu remixen. „re: Schwitters“ besteht im Kern aus der freien 30-minütigen Rezitation der „Sonate in Urlauten“. Sie wird nach Bedarf ergänzt von weiteren Lauttexten von Kurt Schwitters, DADA-Lauttexten von Raoul Hausmann und Hugo Ball und eigenen Stücken, die von Schwitters inspiriert wurden.

Lecture & Workshop

Eine einführende Lecture in „DADA/ Schwitters und die Lautpoesie“ ist möglich.

Bisherige Lectures u.a.
– Wäinö-Aaltonen-Museum Turku, Finnland
– UNAM Mexiko City, Mexiko
– KM Music Conservatory, Chennai, Indien
– Madras University, Chennai, Indien

Ergänzend ist auch ein Workshop zum Thema „Soundpoetry“ möglich.

2015 leitete ich Soundpoetry Klassen am Centro Cultural de Espagna, Mexico City und an der Turku Arts Academy in Finnland.