Schwarz-Weiss Garten

Ein Gespräch über Schwarz-Weiss-Denken, schwarze und weisse Gärten, eingerahmt von meinen Soundpoemen “Das Weisse” und “Schwarzer Block”, die ich für dieses Projekt noch einmal neu aufgenommen habe:

Schwarz-Weiss Garten

25.-27.8.17 zu Gast bei Datscha Radio Berlin. Datscha Radio ist ein Radiokunstprojekt, konzipiert von Gabi Schaffner. Ich durfte einige Sendungen moderieren und meinen “Schwarz-Weiss-Garten” im Gespräch mit Shanti Suki Osman vorstellen.

Der Schwarz-Weiss Garten

Feldaufnahmen, Gespräche, Gedichte und Soundpoetry. Von weissem Rauschen, schwarzen Blöcken und grauem Wortkraut in den Ritzen.
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Frankfurter Lyriktage II

25. Juni 2017
20:00
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Adam Horovitz

Schlag auf Schlag. Poesie mit Beat, heisst eine weitere Veranstaltung, die ich im Rahmen der Frankfurter Lyriktage kuratieren durfte und moderieren werde. Am So. 25.6., 20 Uhr im Club “Ponyhof” in Frankfurt-Sachsenhausen.
Drei Lyrik-Musikduos loten unterschiedliche Möglichkeiten aus, Text und Klang zu verbinden.
Adam Horovitz (der Sohn von Michael Horovitz) ist selbst ein anerkannter Lyriker und Journalist mit Affinität zur Spoken Word Szene und elektronischer Musik. Er wird zum ersten Mal gemeinsam mit dem Frankfurter Sampling Artist “Herr Wild” auftreten und ich liefere die Übersetzungen der Texte.
Jürg Halter gehört zu den eigenwilligsten Schweizer Spoken Word Poeten, lange als Rapper “Kutti MC” unterwegs bevorzugt er jetzt die leiseren Töne. Für die Lautstärke sorgt aber sicher sein Duopartner, der legendäre Schweizer Schlagzeuger und Klangtüftler Fredy Studer.
Grossraumdichten mit Pauline Füg und Toby Heyel gehören zu den dienstältesten und poetischsten Poetry Slam Teams. Gemeinsam tanzen sie Verse zu den Elektrobeats von Putte, Skeamo und JulClub.
Das alles nur, weil ich letztes Jahr im November Adam Horovitz beim Ars Poetica Festival in Bratislava kennenlernte, er mir von den Wurzeln der Familie in Frankfurt erzählte und von seinem Vater, dem Patron der britischen Beat Poesie. Dank an das Kulturamt Frankfurt, dass sie sich auf dieses Abenteuer eingelassen haben.

 

Jury “Literaturpreis des Kulturkreis der deutschen Wirtschaft”

Am 16.5. durfte ich als Fachjuror in einer hochkarätig besetzten Jury über den renommierten “Literaturpreis des Kulturkreises der deutschen Wirtschaft” mitentscheiden. Zum ersten mal wurde der Preis in diesem Jahr genreübergreifend vergeben. Und zum ersten Mal öffnete sich der Preis speziell grenzüberschreitenden Projekten und Spoken Word Poetry. Neben vielen Prosaautoren gelangten vier LyrikerInnen auf der Shortlist, darunter mit Bas Böttcher und Dalibor Marcovic gleich zwei Autoren aus der Poetry Slam/Spoken Word-Szene.
Ich freue mich sehr, dass der Preis an Ulrike Almut Sandig geht, Lyrikerin, Spoken Word Poetin, Performerin. Eine Autorin, die vor allem eine Bühnenperformerin ist und ihre komplexen Texte gerne mit elektronischer Musik verbindet.

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Filmdoku Experimentalszene Rhein Main

15. Januar 2017
16:00bis20:00

Freue mich, gemeinsam mit vielen anderen Künstlern in der 30min. Filmdokumentation “Experimentalszene Rhein Main” mit einem Dadawargarkeindada-Sprechloop vertreten zu sein. Filmpremiere mit Liveperformance am 15.1.2017 im INM Institut für Neue Medien, Frankfurt.
Die DVD kann hier bestellt werden. Pay what you want plus Porto.

ExpeRheiniMainental Teaser from LDX #40 on Vimeo.

iKind alternativlos

BüW auf der Fachtagung „Inklusion und Teilhabe im Übergang von der Schule in den Beruf“, 21.-22.11.2016, Hamburg

Das Büro für überflüssige Worte wird zur Kinderklappe. Abgegeben werden gleich mehrere iKinder. Was sind das für Kinder? Warum sind sie so unbeliebt?

Das iKind ist keine neue Erfindung von Apple. Kein Smartchild mit benutzerfreundlicher Oberfläche. Man kann es nicht mit dem Daumen steuern. Das iKind ist eine Erfindung der deutschen Bildungsbürokratie, ein Versuch die UN-Behindertenkonvention umzusetzen.

Das iKind steht im Innersten der Inklusionsdebatte, auch wenn es in der Öffentlichkeit nicht so genannt wird. Während Bildungstheoretiker gerne haarfein austarierte, alle Befindlichkeiten berücksichtigende, aber oft unaussprechliche Wortkonstrukte schaffen, halten Praktiker schlichte Abkürzungen dagegen, die alle sprachlichen Rücksichten fallen lassen und am Ende wieder ein schnell klebendes Label erzeugen.

Aus den diskriminierten Sonderschülern werden Inklusions-Schüler. Aus den Inklusions-Schülern werden iKinder. iKinder sind wie alle Kinder. Fast. Sie können nicht immer alles, was alle anderen Kinder können. Sie sind keine Normkinder. Sie sind manchmal zu langsam, zu laut, hören, sehen oder verstehen schlecht. Sie sind körperlich oder geistig beeinträchtigt, manchmal sozial und emotional vernachlässigt. Früher wurden solche Kinder meist ausgesondert auf eine „Sonderschule“. Inklusion versucht, diese Aussonderung rückgängig zu machen und sie in Regelschulen zu integrieren. Dort sollen behinderte Kinder und nicht-behinderten Kindern voneinander lernen. Die einen sollen motiviert werden, die anderen Toleranz lernen und Vielfalt (Diversity) akzeptieren.

Eine schöne Idee, die aber in der Praxis einige Probleme hervorruft. Kein Wunder, dass das iKind mitunter als Problemkind gesehen wird, nicht nur bei Mitschülern, sondern auch bei gestressten Pädagogen.

Das iKind hat Geschwister, die ich bisher nicht kannte. Der Hamburger Bildungssenator Tim Rabe stellt die “LSE-Kinder” vor. Klingt nach einer ansteckenden Seuche. Tatsächlich verbergen sich dahinter Kinder mit einem diagnostizierten Defizit in den Bereichen Lernen, Soziales und emotionale Entwicklung. Mit anderen Worten, sie sind verhaltensauffällig und/oder lernbehindert. Im Rahmen der Inklusion wird auch diesen Kindern spezieller Förderbedarf zuerkannt. LSE scheint tatsächlich ansteckend zu sein. Die LSE-Kinder vermehren sich auffällig. Sie sind die eigentlichen iKinder.

Insgesamt geben die Kongressteilnehmer auffällig viele i-Wörter als überflüssig ab. „Inkludent“ ist vermutlich die Eindeutschung des lateinischen „includent“ und eine Ableitung des lateinischen Verbs „includere“, das so viel wie „einschließen, verhaften, einsperren“ bedeutet. Die alten Römer hatten offenbar eine weniger positive Vorstellung von „Inklusion“. Das verwandte „inkludiert“ kennt man aus der Preisgestaltung. Ein langer Weg eines Wortes. Nun hat es sich als Fachterminus im Bildungsbereich festgesetzt und nebenbei das ältere “Integration” weitgehend verdrängt. Vielen Inklusionsprofis gilt “Integration” gar als diskriminierendes Unwort, da sie es als Anpassung interpretieren.

Im Englischen steht das vorangestellte „i“ (gesprochen „ei“) für „intelligent“. Im Deutschen weckt das lang gezogene, haarnadelspitze „i“ leider ganz andere Assoziationen.

„Alternativlos“ ist neben den i-Wörtern das beliebteste überflüssige Wort des Kongresses. Das Wort ist eng mit Angela Merkel assoziiert, seit sie damit 2009 die staatliche Bankenrettung nach der Finanzkrise von 2008 rechtfertigte. 2010 wurde es von der Gesellschaft für deutsche Sprache zum „Unwort des Jahres“ gewählt. Kein neues Wort, aber eines mit „nachhaltiger“ Wirkung. Ein stoisches „Weiter so“. Ein Wort, das sogar die Gründung einer neuen Partei angeregt hat. Vielleicht ist es die Alternativlosigkeit, die den iKindern zu schaffen macht. Einmal iKind, immer iKind. Oder iJugendlicher. Oder iErwachsener. Oder iSeniorIn.

 

Trotz Stellenhülse von Unterschiedlichkeit betroffen.

BüW auf der Fachtagung „Inklusion und Teilhabe im Übergang von der Schule in den Beruf“, 21.-22.11.2016, Hamburg

Wo gehobelt wird, da fallen Späne, heißt es. Wo geredet wird, fallen überflüssige Wörter an und auf, sage ich und platziere Schreibtisch und Topfpflanze am Rande des Kongress-Saales.

Komisch, bei dem Wort „inklusiv“ fällt mir gleich das Gegenteil ein. „Exklusiv“ war doch bis vor kurzem noch ein positiv besetzter Begriff für das „Besondere“, „Außerordentliche“, „Einzigartige“, den „Exklusiv-Urlaub“, dessen Besonderheit oft in einem „all-inclusive“ besteht. Ich denke an Exklusiv-Nachrichten und Interviews. Exklusivität für Alle. An diesem Ort ist „exklusiv“ aber ein Unwort, das für Abgrenzung und Ausgrenzung steht.

Mein erster Eindruck: hier hat sich eine durchaus exklusiv-distinguierte Gesellschaft aus den Leitungsebenen sozial relevanter Institutionen versammelt. Interessante Frage: wieviel haben Ihre Sprache ihre Lebenswirklichkeit mit ihrer Inklusionsklientel zu tun. Einfache oder leichte Sprache ist ein großes Thema im Rahmen der Inklusion, doch zu den meisten Fachvorträgen ist dieses Konzept scheinbar nicht vorgedrungen. Immerhin sehe ich unter den ca. 400 Teilnehmern mindestens eine Rollstuhlfahrerin. Und die Moderatorin ist blind, aber ziemlich auf Zack.

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Das BüW hat einen Platz im Plenarsaal. Leider in der hintersten Ecke, hinter einer schweren Doppeltür, die sich „aus technischen Gründen“ nicht öffnen lässt. Die Teilnehmer betreten und verlassen den Saal durch eine Tür auf der anderen Seite. Werde aus der Distanz misstrauisch beäugt. Versuche hinter meinem Schreibtisch eine offene und zugewandte Haltung einzunehmen. Aber wie soll ich mit Menschen Kontakt aufnehmen, die in mehr als drei Meter Entfernung vorbei hasten. So ist es also, mittendrin im Abseits zu sein. Ob es sich für Inklusionskinder in Regelschulen auch so anfühlt?

Immerhin bekomme ich so einen Teil der spannenden Vorträge mit. Es geht um den unerklärlichen Zuwachs von „LSE-Kindern“ mit Defiziten in den Bereichen Lernen, Soziales, Emotionen (früher hätte man „lernbehindert“ und „verhaltensauffällig“ gesagt), Nachteilsausgleich und Berufseinstiegsbegleitung. Ich erfahre von engen und weiten Inklusionsbegriffen. Von der Inklusion von Menschen mit Behinderungen und der Inklusion „aller von Diversität betroffenen Menschen“.

Wow. Von „Unterschiedlichkeit“ betroffen. Das betrifft eigentlich jeden Menschen – mehr oder weniger. Ganz sicher bin ich von Unterschiedlichkeit betroffen. Sogar sehr. Bin kein Bildungs- oder Inklusionsexperte. Habe mich als dickköpfiger Künstler mit extremem Individualitäts- und Freiheitsfetisch freiwillig von der Mehrheitsgesellschaft abgesondert. Und doch darf ich hier sein. Am Rand, aber dabei. Immerhin ist der Rand immer eine gute Beobachterposition. Aber ich bin ja nicht nur zum Beobachten hier.

Nutze die Mittagspause, um meine Inklusion in diesen Kongress voranzutreiben. Schiebe mein Büro kurzerhand vor die Tür ins Foyer, mitten in die Masse der wortgeschwängerten, hungrigen, durstigen Kongressteilnehmer. Hemdkragen werden gelockert, Blusen gelüftet, Kaffee verschüttet. Es gibt ein Bedürfnis zu reden. Manche sind jetzt übervoll mit Wörtern und gelegentlich schwappen sie über auf meinen Schreibtisch. Sobald die Ersten hier stehen und schauen, greift das Gesetz der Neugier und der Nachahmung. Aus einzelnen Interessierten werden kleine Gruppen. Wo eine Gruppe steht, scheint etwas los zu sein. Hier kann abgestempelt werden! Mit dem Abstempeln von Wörtern haben die Kongressteilnehmer keine Probleme.

Abgestempelt werden:  „Ausbildungsreife“, „Finanzierungsvorbehalt“ „Rehabilitationspädagogischen Zusatzausbildung“. „Übergangslösung“ und „Warteschleife“ müssen dran glauben ebenso wie „zielführende“ „Zeitfenster“ mit „Pilotprojekten“ und „Eingliederungsvereinbarung“. Auch „handlungsorientiert“ „gegenderte“ „Dunkelziffern“ sorgen für Sprachfrust. Vor allem wenn sie in „europaweiten Ausschreibungsverfahren“ in „gefühlte“ „Stellenhülsen“ gegossen werden.

„Stellenhülse“! Was für ein fantastisches neues Wort aus den sprachlichen Denkfabriken des öffentlichen Dienstes. Offiziell existiert es nicht. Es ist in keinem Lexikon zu finden. Und doch ist es da. Es bezeichnet etwas, das nicht existiert, aber verwaltet werden muß. Ist das Existenzialismus oder Zen? Manche behaupten, es ginge um formale Scheinstellen, die weder finanziert noch besetzt seien. Die präziseste Beschreibung stammt von der Uni-Göttingen. Am Anfang war die Hülse, dann kam die Tarifgruppe, gefolgt von der Stelle. Und am Ende schlüpft ein Mensch herein, vielleicht, oder auch nicht. Zumindest in Göttingen.

„Diese Hülsen sind Kostenstellen (Abteilungen, GZG oder Fakultät) zugeordnet. Jede Hülse ist durch eine Tarifgruppierung charakterisiert (z.B. TVL-E6). Bei Neu- oder Wiederbesetzungen ist darauf zu achten, dass die Stelle entsprechend der Tarifgruppe für die Hülse ausgeschrieben wird. Eine Besetzung auf einer höheren Gruppe erfordert das Vorhandensein einer entsprechenden Hülse auf Ebene der Kostenstelle. Ist eine solche Hülse nicht vorhanden, kann keine Besetzung nach einer höheren Tarifgruppe geschehen. Das gilt unabhängig vom Vorhandensein notwendiger Mittel.“
https://www.uni-goettingen.de/de/organisation/368220.html