Filmvertonung

Live Vertonung des Experimentalfilms „Moviekiller“ im Rahmen von The Post Industrial Final Battle, 21. Juli 2018 in der Walpodenakademie von
Die Gruppe Warcoloured Duel (aka Watercoloured Well)
mit Brandstifter, Ingmar Ehler, Klaus Harth, Dirk Huelstrunk, Tanja Roolfs, Ralf Thorn

Antibodies – Notruf/Mayday

Antikörper/Antibodies ist ein zweisprachiges Buch und Performanceprojekt mit dem Mainzer Fluxuskünstler und Musiker Brandstifter. Zum Thema „Körper“ des diesjährigen Open Ohr Festivals passt es jedenfalls perfekt. Zu sehen am Sa. 19.5., 17:30 im Kleinen Zelt, Open Ohr Festival, Mainz

Live in der Ausstellungshalle 1A, 2014

Fünf Herren und das siebte Kreuz

Fünf Herren und das Siebte Kreuz
25. & 26.4., 20 Uhr
Theater Die Schmiere
Seckbächer Gasse 4, Frankfurt
https://www.facebook.com/events/1862612154069669/

mit: Sascha Wild – Schlagzeug, Elektronik, Harri Gottschalk – Gitarre, Christian Setzepfandt – Stadtführer und historischer Chronist, Stephan Skora – Zauberer, Dirk Hülstrunk – Soundpoetry/Loops, Rezitation und Textbearbeitung.

Zum ersten Mal bin ich bei dem Projekt „Frankfurt liest ein Buch“ als Teil der Gruppe „Fünf Herren“. Gemeinsam inszenieren wir Anna Seghers „Das siebte Kreuz“. Anna Seghers erzählt hier eine prototypische Fluchtgeschichte, den Ausbruch von sieben Häftlingen aus einem Konzentrationslager in vielen Facetten, Stimmen und Perspektiven. Keine einfache Lektüre und ein schweres, ernstes, moralisch aufgeladenes Thema.
Wir fragen uns, wie kann man ein solches Thema unterhaltsam bearbeiten, ohne den Kern der Aussage zu verraten. Wie kann man einen so umfangreichen, facettenreichen Text in einer 1,5 stündigen Inszenierung präsentieren. Die Idee der Collage liegt nahe. Ich fand es aber reizvoller mich in der Textbearbeitung ganz auf die Hauptfigur, den Flüchtling Georg Heisler zu konzentrieren, auf sein Handeln und Empfinden. Die entstandenen Mikroszenen wurden rhythmisch bearbeitet und mit Wiederholungselementen und charakteristischen Soundloops versehen. Christian Setzepfandt referiert sachlich zu den Orten der Handlung, Sascha Wild und Harri Gottschalk kommentieren mit wenigen, aber zeitgemässen musikalischen Elementen, die sich leitmotivisch durch das Stück ziehen. Stephan Skora verkörpert den im Buch vorkommenden Artisten „Belloni“ und entwirft Zauberstücke, die zu Themen wie Verletzung/Heilung, Gefangenschaft oder Gerüchten passen. Eine gewagte und durchaus aufwändige Kombination. Am Ende haben wir 7 Szenen, die noch mal in 57 Mikroszenen unterteilt sind mitsamt kunstvoll verzahnten Übergängen.

 

Pressetext:

„Das siebte Kreuz“ als literarisches Varieté: Die „Fünf Herren“ machen den „schwarzen Heimatroman“ von Anna Seghers zur Blaupause für eine künstlerische Bearbeitung eigener Art. Auf diese Weise bereichern sie das Programm von „Frankfurt liest ein Buch 2018“ um eine ungewöhnliche Crossoverkomponente – und um eine Gratwanderung zwischen ernsthaft-nachdenklich und überraschend-komisch.

Gemeinsam zeichnen die „Fünf Herren“ mit ihren unterschiedlichen künstlerischen Mitteln die Geschichte rund um die Flucht der Roman-Hauptfigur Georg Heisler nach. Die Rezitation aus dem „Siebten Kreuz“ übernimmt Dirk HuelsTrunk. Der Soundpoet nutzt ausgewählte Textpassagen auch für Livecollagen, er rhythmisiert und verfremdet sie.Stephan Skora schlüpft in die Rolle des Artisten Belloni. Belloni flüchtete zeitgleich mit Georg Heisler aus dem Lager Westhofen und wird in der Sicht der „Fünf Herren“ zu Heislers schillerndem Gegenpart. Für die lokalhistorische Verortung der Handlung sorgt Christian Setzepfandt, der vermutlich bekannteste und beliebteste Stadtführer Frankfurts. Zu einem fließenden Ganzen wird die Inszenierung durch die Musik von Sascha Wild und Harri Gottschalk: Sie mischen Liveklänge von Gitarre und Schlagzeug mit Elektronischem und laden die Handlung so noch einmal zusätzlich atmosphärisch auf.

Die „Fünf Herren“ stehen für multimediale Indoor-Stadtführungen, literarische Konzerte und Varieté: Die „Stammherren“ sind der Stadtführer Christian Setzepfandt, der Sampling-Artist Sascha Wild und der Zauberkünstler Stephan Skora. Dazu kommen, je nach Programm, zwei Gäste – diesmal der Soundpoet Dirk HuelsTrunk und der Gitarrist Harri Gottschalk.

 

 

Worte, die wir 2018 brauchen

Vielen Dank für die Zusendung Eurer Wörter, die wir 2018 brauchen werden. Da die meisten ohne Erklärung kamen, hab ich meine Phantasie spielen lassen (und ein wenig nachgeforscht).

Palitroche (Guadelupe)

Phantastisches Nonsense-Wort aus einem mexikanischen Schulbuch der 1980er Jahre. Das Mädchen Pita findet das Wort „Palitroche“. Was kann es bedeuten? Es fragt verschiedene Menschen, ohne eine Antwort zu bekommen. Niemand kennt das Wort. Schliesslich benennt sie ein kleines Insekt mit diesem Wort.

Nach ein wenig Recherche wird klar, dass es sich hier um eine spanische Adaption einer Episode aus Astrid Lindgrens „Pippi Langstrumpf“ handelt

In den schwedischen und deutschen Ausgaben findet Pippi das Wort „spunk“. In den englischen Versionen wird es zu „spink“. Palitroche klingt allerdings VIEL besser. In Mexiko ist es ein populärer Name für Künstler, Produkte, Online Accounts etc.

Deutsche Filmadaption: https://www.dailymotion.com/video/x4sp2ob

Gnumpf (Hanne)

Als erstes erinnert mich das Wort „Gnumpf“ an einen spontanen Ausruf nach einem Mißgeschick.  „Gnumpf“ und dann geht es weiter. Nächster Versuch. Aber auch eine Mischung von Gnom, Schlumpf und Schnupfen.

Ich wäre nie darauf gekommen, dass dies ein echter Name für eine Modellflugzeugmarke ist 

Fliegender Gnumpf: https://www.youtube.com/watch?v=8cpKVGX59FI

Teali (Dirk F.)

Eine Kurzversion meines eigenen Wortes Lubbstuppelangsling ohne Alitterationen. Klingt angenehm, positiv wie eine Begrüssung von Freunden. Hey, Kumpel, wie geht´s? Oder für die erste Ansprache des Partners oder der Partnerin am Frühstückstisch.

Aber auch ein Ausruf des Erstaunens und des Respekts. Das hast du wirklich gemacht? Wahnsinn. Teali.

Toccata Palabra (Gerda)

Seit J.S. Bach seine berühmte „Toccata und Fuge in D-moll komponierte, wissen wir, das Toccata keine Pasta-Form ist sondern der italienische Begriff für instrumentale (Orgel)musik.

In Kombination mit dem spanischen Wort „palabra“ = wort, ist hier vielleicht eine instrumentale Wort-Musik gemeint oder ein Wort-Instrument. Wozu überhaupt der Unterschied. Ist der Mund nicht ohnehin ein Instrument? Ist das Wort nicht Musik? Ab 2018 sind Wort und Musik eins.

Hannebambelmuse (Axel)

Genderbending Komposita. Die Hanne ist dem Bambel seine weibliche Muse. Der Hannebambel ist aber der männliche hessische Idiot. Aus dem Zusammentreffen entsteht die Bambelmuse, eine etwas zermatschte Grapefruit, sauer wie Apfelwein. Grundlage aller Inspiration.

Erfolgsotto (Andi)

Selbst der unerotischste, altmodischste Otto Normalverbraucher kann in Deutschland Erfolg haben. Er mopst sich den Erfolg und ottot ungesehen davon in die statistische Mitte. Oder er wird Komiker. Oder Mops. Ein solches Maskottchen können wir brauchen.

Lacherkrachermacher (Esther)

Wenn der Lacher explodiert und sich der Macher freut. Der Macher ist natürlich der Manager des Lachers und achtet darauf, dass der Lacher ordnungsgemäßt kracht. Wichtiger (bislang unbesetzter) Posten in der neuen Bundesregierung.

Vazuthucudu (Anush)

Südindische Prinzessin mit übernatürlichen Kräften, Schwester von Prinz Vazuthananga, dem leckersten Vegetarier der östlichen Hemisphäre. Bei diesem Rezept wird selbst Vazuthucudu schwach.
http://mariasmenu.com/vegetarian/vazhuthananga-theeyal-kerala-recipe/2

Ansonsten ist Vazuthucudu nicht einfach zu gewinnen. Es ist ratsam sich vor einem Date bei einem Vazhthukkal film inspirieren zu lassen.

https://www.youtube.com/watch?v=dwiDwrX24uM

Otsukaresama お疲れ様。(Vladimir)

Hier in der Interpretation von Vladimir:

Eine populäre japanische Phrase, die Respekt ausdrückt für jemanden, der müde von der Arbeit nach Hause kommt. Ein hübsches Wort, das man auch in anderen Sprachen einführen sollte, mein Vladi. Schliesslich sollte Müdigkeit immer respektiert werden.

Morphologie (nach Vladimir)

(o) Vorsilbe, die Respekt ausdrückt

疲れ (tsukare) = müde sein.

(sama), Besonders respektvolle Anrede für Könige oder besonders müde Personen.

Vielleicht hilft ja der Otsukaresama Song das Konzept zu verstehen

Bloschedd (Cliff)

Klingt wie ein besonderer Wiener Kaffee mit einem kleinen Tröpfchen Blut.

Vielleicht lässt sich das Wort auch benutzen, um unangenehme und nervtötende Diskussionen zu beenden – besonders auf Facebook. Keine Kommentare mehr – bloschedd!

Kässimrang (Cliff)

Motivierendes Wort. Komm schon, wir haben den Blutkaffee überlebt. Wir werden auch den Rest überleben und 2018 sowieso.

Politricks (Mark)

Tricks ohne Ende, ein Hoch auf die Vielfalt. Klingt als ob es schon immer da gewesen wäre. Die Politricians sind die mit den besten Tricks. Politik als Magie. Zuzusehen, wie andere ausgetrickst werden ist grosse Unterhaltung. Die Dinge geschehen so schnell, dass das Opfer gar nicht kapiert, wie ihm geschieht. Unsere müde Regierung könnte durchaus ein paar Politricks gebrauchen, um die rechten Geister im Land und im Parlament wieder zu vertreiben.

Kalsarikännit

Diesen populären finnischen Begriff muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Sich alleine zu Hause in Unterwäsche zu betrinken ist angesichts der immer grösseren Bedrohungen der Welt ein grandioses Konzept. Progressive Menschen wollen ohnehin nicht nach ihrem Äusseren beurteilt werden. Bleiben wir 2018 also lieber in der Unterwäsche zu Hause.

Avenidas – ein Gedicht soll weg

Eugen Gomringers Klassiker der Konkreten Poesie „Avenidas y Flores“ wird von der Fassade der Salomon Hochschule in Berlin entfernt. Das hat der Hochschulrat unter dem Druck einer unschönen Netzkampagne nun beschlossen. Alleen, Frauen, Blumen und ein Bewunderer reichen für den Sexismusvorwurf. Ich kann das nicht nachvollziehen, aber gut, man sollte über alles diskutieren können. Auch über Geschlechterklischees in der Avantgardelyrik der 1950er Jahre. Schönes Seminarthema. Unschön aber, dass die Kritik von Anfang an weniger auf eine offene Auseinandersetzung als auf das „Entfernen“ des Gedichtes abzielte. Das ist schlechter Stil.

Zensur ist vielleicht das falsche Wort. Es geht nicht um ein „Verbot“. Die Hochschule hat das Recht, ihre Fassade zu gestalten, wie sie möchte. Dennoch ist die Symbolik der „Säuberung“ nicht zu übersehen. Durch den bösen Begriff des „Sexismus“ sind Gedicht und Autor nun gebrandmarkt.
Harmlos finde ich diese moralische Putzaktion nicht. Diese erfolgreiche Kampagne zur Diffamierung und Zerstörung eines Kunstwerkes wird Nachahmer und Nachfolger auf den Plan rufen.
Ist es so unwahrscheinlich, dass als nächstes jemand auf die Idee kommt, „Avenidas“ aus den Schulbüchern zu tilgen?

Wenn bereits ein so harmloses Gedicht als anstößig empfunden wird, wie leicht wird es dann fallen, „Anstößiges“ in anderen Gedichten und Kunstwerken zu entdecken? Was steht als Nächstes auf der Abschussliste? Bisher galt die Freiheit der Kunst in Deutschland als hohes Gut. Ich bin schon irritiert, wie schnell auch Menschen aus dem Kulturbereich bereit sind, diese Freiheit zu beschränken, wenn es der scheinbar „richtigen“ Sache dient.

Positive Nebenwirkung ist die unverhoffte Bekanntheit des Gedichtes und das Gefühl, dass Gedichte endlich mal wieder provozieren können. Ironisch, dass nicht ein großer Macho-Provokateur sondern ein maximal bescheidener Autor, ein maximal respektvoller und höflicher Text solche Empörung ausgelöst hat.

 

avenidas
avenidas y flores
flores
flores y mujeres
avenidas
avenidas y mujeres
avenidas y flores y mujeres y
un admirador
(Eugen Gomringer)

 

Links:
http://www.asta.asfh-berlin.de/de/News/offener-brief-gegen-gedicht-an-der-hochschulfassade.html

https://www.welt.de/kultur/literarischewelt/article172804585/Nora-Gomringer-ueber-das-Entfernen-von-Avenidas.html

Links zu ähnlichen Fällen:
https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/braunschweig_harz_goettingen/Nacktbilder-abgehaengt-Selbstzensur-in-Goettingen,sexismus176.html

https://www.mz-web.de/halle-saale/kritik-an-gemaelde-am-wolff-gymnasium-diskriminiert-das-wandbild-maedchen-und-frauen–28935904

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/schweden-anzeige-wegen-pippi-langstrumpf-hoerspiel-15283524.html

Schwarz-Weiss Garten

Ein Gespräch über Schwarz-Weiss-Denken, schwarze und weisse Gärten, eingerahmt von meinen Soundpoemen „Das Weisse“ und „Schwarzer Block“, die ich für dieses Projekt noch einmal neu aufgenommen habe:

Schwarz-Weiss Garten

25.-27.8.17 zu Gast bei Datscha Radio Berlin. Datscha Radio ist ein Radiokunstprojekt, konzipiert von Gabi Schaffner. Ich durfte einige Sendungen moderieren und meinen „Schwarz-Weiss-Garten“ im Gespräch mit Shanti Suki Osman vorstellen.

Der Schwarz-Weiss Garten

Feldaufnahmen, Gespräche, Gedichte und Soundpoetry. Von weissem Rauschen, schwarzen Blöcken und grauem Wortkraut in den Ritzen.
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