Büro für überflüssige Worte – Stadtbücherei Frankfurt-Höchst 2

Die halbe Nacht Ersatzwörter gesucht, geschrieben und gestempelt. Die meisten Besucher heute im besten Pubertätsalter oder auch mal darunter. Dazwischen vereinzelt gestresste Lehrer oder verwirrte Sprachschüler. Für die Kids ist das ein lustiges Spiel. „Voll cool ey“. Allerdings wurden „voll“ und „ey“ schon entsorgt. „Cool“ sehe ich auch schon auf der Abschussliste. Man könnte also den ganzen Satz streichen.

Lehrer nehmen die Sprache berufsbedingt ernster und möchten vor allem bildungsbürokratische Sprachmonster loswerden, die offenbar auf der Seele lasten.  Beide scheinen in völlig unterschiedlichen Sprach-Universen zu leben. Einerseits: „Niveaukonkretisierung“ und „Bildungskompetenz“, „Zeitfenster“, „Binnendifferenzierung“ und „Schülermaterial“, andererseits: „Digga“, „chill ma“, „Opfer“, „Hurensohn“. Aber auch „Herzchen“ und „Schatzi“, „Zahnspangen“ und „Köter“ werden entsorgt.

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Dazu interessante Sprachschöpfungen wie „moi chocken“. Klingt wie eine Abart von „Mal checken“. Vielleicht aber auch eine vom Werbefernsehen inspirierte Ableitung der Marke „Moi chocolat“.

Mehrfach wird „Awalee“ abgegeben. Die Mädels, die das Wort loswerden wollen, behaupten, es sei ein erfundenes Wort, das anstelle eines Schimpfwortes gebraucht wird. Beim online check finde ich eine französische „Awalee-Consulting“ Firma, ein Video der Band „Bandoleros“, die trotz des spanischen Namen ziemlich orientalisch klingen.  Ein Online Lexikon verortet den Begriff im „Urdu“ und übersetzt ihn mit „Vorbereitung“. Eine Islaminfoseite weist auf die Herkunft im Koran hin. Hier würde der Begriff „früher“ oder „von früher“ bedeuten. Eine Heavy Metal Band aus Singapur hat ihr letztes Album „Asateerul Awaleen“ genannt und auch gleich die englische Übersetzung „impiety“, also „Pietätlosigkeit“ mitgeliefert.

Ein Lehrer beklagt sich, dass die Deutsche Sprache an Boden verliere. Ich wundere mich trotzdem, dass die entsorgten Begriffe mit wenigen Ausnahmen deutsche Wörter sind. Die gefürchteten Anglizismen tauchen kaum auf. Die Begriffe der aktuellen gesellschaftlichen Debatten (z.B. Thema Flüchtlinge) bleiben ebenfalls aus. Dafür lässt sich ein Besucher – ausgehend von einer Sprachdiskussion – dazu hinreissen, einen ausführlichen Vortrag über die Vorzüge der Engländer und die wirkliche Bedeutung der Queen zu halten.