Lesung Gutenberg Gymnasium, Wiesbaden

10. Mai 2019
10:00bis12:00

Diesen Artikel über eine Lesung an der IGS Stierstadt habe ich grade wieder gefunden….gibt ganz gut wieder, wie meine Schullesungen aussehen können. Nächste Schullesung – 10.5.19 Gutenberg Schule, Wiesbaden.

Macht(,) Gedichte!

 Eine Poetry Lesung des Künstlers Dirk Huelstrunk für den Jahrgang 9 im Forum der IGS Stierstadt – Text: Annette Hanses

 

„Ein Gedicht – das nehme ich in keinem Fall in der Abschlussprüfung!!!“ Dieses Todesurteil kommt den Schülern schnell über die Lippen. – Viele Prüflinge wählen lieber einen Sachtext, der sträubt sich nicht so, stellt nicht so hohe Ansprüche an den Leser – so meint man.

Manch einem Schüler ist durch das interpretierende Zerstückeln der Gedichte der Zugang zur Poesie verleidet. Man kommt sich dumm vor, gegenüber einem Gedicht, dass seinen Sinn nicht preisgeben will.

Aber eine andere Art des Zugangs zu Gedichten, gibt es die? Könnte die vielleicht weiterhelfen?

Im Rahmen der Reihe Leseförderung an der IGS, die von Frau Eckhardt und Frau Hesse initiert und verwirklicht wird, luden wir einen Poeten ein.

Am 22. Mai 2017 lauschten die Schüler des Jahrgangs 9 im Forum der IGS dem Soundpoet, Autor, Audiokünstler, Kulturaktivist, Veranstalter und freien Dozent Dirk Huelstrunk.

 

Dass ein Gedicht – selbst hergestellt – nicht einmal der Worte bedarf, dass konnten die Schüler gleich zu Beginn erfahren. Mit Händen, Mund und Ohren kann es gelingen den eigenen Körper in eine Klangschale zu verwandeln, die merkwürdige, private und vergnügliche Sounds hörbar macht.

Und auch das kann schon ein Gedicht sein.

Eine ungeahnte Palette verschiedenster vorgetragener Gedichte machte deutlich, dass unser herkömmliches Verständnis der Poesie noch einmal überdacht werden muss. Mit seinen „Gedichten gegen die Wirklichkeit“ wurden lustige, geistreiche, kritische, empörende, freche, empörende Facetten der Poesie wirklich.

Huelstrunks künstlerische Vortrag der Gedichte beeindruckte durch die Intonation, Klang und Wortgewalt, mit der er den Gedicht den eigenen notwendigen Sound verlieh.

Die Resonanz der Schüler: abgefahren, lustig, übertrieben, fremd, ungewöhnlich ….

Im zweiten Teil der Lesung gab es dann zusätzlich eine Einführung in Poetry Slam und die Merkmale und Regeln, der dort frei vorgetragenen poetischen Texte. Slammer wurden vorgestellt und von den IGS Schülern platzierend bewertet.

Die Faszination der Worte und der Sprache zeigte sich nicht jedem. Nicht jeder mag und macht Gedichte, doch wer sich traut, dem stehen neue Möglichkeiten offen.

 

Der Titel „Macht (,) Gedichte“ ist dem Deutschbuch des Jahrgangs 10 entnommen. Krull u.a. (Hrsg), Berlin 2013. S. 5.